{"id":191,"date":"2023-06-19T12:32:22","date_gmt":"2023-06-19T12:32:22","guid":{"rendered":"https:\/\/confident-davinci.212-227-174-136.plesk.page\/?page_id=191"},"modified":"2023-06-19T12:32:22","modified_gmt":"2023-06-19T12:32:22","slug":"fronleichnam","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gretaschneider.at\/index.php\/arbeiten\/geschriebenes-2\/fronleichnam\/","title":{"rendered":"fronleichnam"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"500\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<th scope=\"col\" width=\"26\"><\/th>\n<th scope=\"col\" width=\"449\"><\/th>\n<th scope=\"col\" width=\"25\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gretaschneider.at\/images\/gif-dunkelste.gif\" width=\"25\" height=\"1\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gretaschneider.at\/images\/gif-dunkelste.gif\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<td>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<\/td>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gretaschneider.at\/images\/gif-dunkelste.gif\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gretaschneider.at\/images\/gif-dunkelste.gif\" width=\"1\" height=\"15\" \/><\/td>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p>fronleichnam<\/p>\n<p>gesegnet sei der ort und alle, die hier wohnen, die fr\u00fcchte der erde und die werke der h\u00e4nde. im namen des vaters, des sohnes und des heiligen geistes. amen. der pfarrer bewegt die monstranz bei im namen des vaters himmelw\u00e4rts, im namen des sohnes zur erde hin, und bei im namen des heiligen geistes von der linken schulter zur rechten. weil die mostranz ein godener lichtsteifenkranz rund um die hostie ist, schaut es so aus, als bewegte er sie im kreis. der see ist ruhig, die trisselwand von der sonne beschienen. wir stehen neben dem spielplatz auf dem die schaukler und rutscher pause machen und zum altar hin\u00fcberschauen. der ist an der wand einer holzh\u00fctte befestigt. ein altes jesusbild, blumengeschm\u00fcckt, von gr\u00fcnenden birkenzweigen umgeben. warum seien nur die werke der h\u00e4nde gesegnet? weil wir am land sind? der pfarrer hat eine sch\u00f6ne stimme und wenn er aus dem evangelium liest, dann klingt es, als l\u00e4se er den text zum ersten mal. so viel staunen und konzentration. er ist ein guter seelsorger, doch die seelen die von ihm versorgt werden wollen, werden immer weniger. es sind gro\u00dfteils\u00a0 f\u00fcnfzig plus seelen und zehn minus seelen. nur ein elternpaar hatte sich in die prozession eingegliedet. der vater schiebt den\u00a0 kinderwagen, das mittlere\u00a0 kind sitzt auf den schultern seiner mutter, und die \u00e4lteste tochter geht neben den eltern, einen kleinen rucksack am r\u00fccken. ein mann mit zerstubelten haaren, wie die meisten hier in der alten tracht kleidet, sagt: es sind viele kinder hier, drum singen wir gottes liebe. gottes liebe ist einfach: sie ist gro\u00df, tief, weit und dazwischen wird geklatscht. da kann jeder mittun, auch wenn er das lied nicht kennt \u2013 so wie wir. jetzt formiert sich die salinenmusik: m\u00e4nner und frauen in dreierreihen in den alten schwarzen uniformen der bergleute, eine schwarze kappe mit einem weissen federbuschen auf dem kopf. die salinenmusik spielt zu allen festlichen gelegenheiten im dorf. um gotteslohn. so wie es der brauch ist. jetzt spielen sie den ausseer faschingsmarsch, in feierlich getragenem tempo. das ist doch der faschingsmarsch? oder t\u00e4uschen mich meine ohren? h\u00f6re ich den faschingsmarsch nur, weil ich ihn so gern h\u00f6ren will?\u00a0 der salinenmusik folgen die beiden fahnentr\u00e4ger und denn fahnentr\u00e4gern folgen die ministrantinnen. hinter ihnen der himmel, getragen von drei alten m\u00e4nnern und einem jungen. wie kommt dieser teenager zum himmeltragen? unter dem himmel tr\u00e4gt der pfarrer die schwere monstranz mit beiden h\u00e4nden vor der brust. er hat ein neues messgewand. ein weisses, schlichtes mit einem gelben kreuz. tr\u00fcge er wie sein vorg\u00e4nger eines der alten pr\u00e4chtigen messgew\u00e4nder unter dem alten pr\u00e4chtigen himmel, die prozessionspitze w\u00e4re zeitlos, tr\u00fcgen auch die ministrantinnen nicht nur weisse kutten, sonder \u00fcber roten kutten weisse spitzengew\u00e4nder, so wie damals. damals, als meine mutter meiner schwester die blonden, glatten seidenhaare in ein lockenstabverbranntes gekr\u00e4usel verwandelte, weil ihr locken zu einem so feierlichen anlass\u00a0 gottgef\u00e4lliger schienen. meine schwester spritzen die tr\u00e4nen aus den augen als sie sich im spiegel sah und nur das sch\u00f6ne weisse kleid und das mit pfingstrosenbl\u00e4ttern gef\u00fcllte k\u00f6rbchen konnten sie\u00a0 ein wenig tr\u00f6sten. vielleicht hasst sie die katholische kirche heute deshalb so sehr? wir biegen auf den schmalen \u00a0weg zur mittleren dorfwiese ein, die weissen buschen federn nun im g\u00e4nsemarsch, der himmel h\u00e4ngt ein wenig schief. der pfarrer geht mit seiner mostranz hinten nach. der weg ist so schmal, da kann nur einer\u00a0 dem anderen\u00a0 folgen.\u00a0 am hinteren ende einer sackgasse angelangt, wird es wieder breiter. wir kommen zum zweiten altar. auch er: blumenbekr\u00e4nzt, von\u00a0 frischen birkenreisern umgeben. der pfarrer steht mit der hostie im strahlenkranz vor dem altar. die zwei fahnentr\u00e4ger daneben. hl. \u00e4gydius bete f\u00fcr uns. der ortspatron schaut aus wie jesus und licht wird vom himmel auf ihn herabgesch\u00fcttet. nicht ganz schulterbreit ist das licht. die fahne des hl. \u00e4gydius ist dunkelrot. die auf der christus abgebildet ist, ist elfenbeinfarben. christus sieht aus, wie der hl. \u00e4gydius. gesegnet sei dieser ort und alle, die hier wohnen, die fr\u00fcchte der erde und die werke der h\u00e4nde. dieser altar ist an einem wohnhaus angebracht. am balkon des nachbarhauses steht ein blumenbekr\u00e4nztes marienbild zwischen zwei brennenden kerzen. die muttergottes mit ihrem kleinen sohn am arm. warum gibt es kein bild auf dem die muttergottes das kind auf den schultern tr\u00e4gt? \u00a0w\u00fcrde man sie dann f\u00fcr eine x-beliebige frau mit kind halten? der pfarrer k\u00fcndigt an, dass hier, an diesem altar, f\u00fcr unser land und sein volk gebetet w\u00fcrde. seine worte erschrecken mich. doch dann liest er vor, wie jesus\u00a0 5000 hungrige menschen mit 5 broten und 2 fischen so satt gemacht hat, dass noch k\u00f6rbe voller essen \u00fcbrig blieben. die f\u00fcrbitten schlie\u00dfen alle v\u00f6lker der erde ein. alle menschen m\u00f6gen in frieden und ohne zu hungern miteinander leben. der pfarrer betet f\u00fcr unser land, indem er gott um seinen segen f\u00fcr alle menschen in allen \u00a0l\u00e4ndern \u00a0bittet. wir sind doch nur ein land unter vielen sagt er ohne worte und alle die, woher immer sie auch kommen, in unserem land in frieden miteinander leben, \u00a0sind das volk. \u00a0dann bittet er um arbeitspl\u00e4tze und wohlsatnad f\u00fcr alle menschen in unserem land. gut gemacht. herr pfarrer. wirklich gut gemacht. auf dem balkon flankieren ein mann in tracht und einen frau im dirndl das marienbild. bewegungslos. sind die beiden ausgestopft und puppen, so wie die dichter wie im literaturmuseum des dorfs? der strubbelkopf bittet die anwesenden ehre sei gott in der h\u00f6he zu singen und da bewegen sich die m\u00fcnder der balkonfiguren. kleine m\u00e4dchen mit blumengef\u00fcllten k\u00f6rbchen streuen bl\u00fcten vor dem altar und die prozession setzt sich erneut in bewegung. raus aus der sackgasse auf die hauptstra\u00dfe des dorfs. die salinenmusik spielt\u00a0 einen feierlichen marsch. dann schweigen alle instrumente bis auf die trommel sie verwandelt die \u00a0prozession in eine truppe soldaten, die in den krieg zieht. es beginnt zu regnen. einzelne tropfen nur zun\u00e4chst. dann im tempo, das der trommelschl\u00e4ger vorgibt. wir ziehen durch den ort, an blumengeschm\u00fcckten heiligenbildern vorbei. wo sind die seitelpfeifer? haben sich nicht die trommeln der franzosen und die pfeiferl der ausseer schon vor 200jahren friedlich vereint? eine frau h\u00e4lt mit ihren schirm \u00fcber den kopf. danke sag ich und m\u00f6chte lieber nass werden. ich muss es erst lernen, christliche n\u00e4chstenliebe anzunehmen. die frau raunt mir zu, dass immer weniger menschen an der fronleichnamsprozession teiln\u00e4hmen und dass die katholiken hier wohl bald angefeindet werden w\u00fcrden. wenn das gebet des pfarrers von gott nur ein wenig erh\u00f6rt wird, dann m\u00fcssen wir uns keine sorgen machen, sag ich und weiss wieder warum meine schwester die katholische kirche hasst. bigott. alle bigott, sagt meine schwester. wir brauchen mehr licht, sagt die, die mich beschirmt. licht kann von \u00fcberallher kommen, sag ich und zu meinem erstaunen stimmt sie mir zu. glauben wollen gen\u00fcgt, sagen die chassidim.. wir sind beim dritten altar angekommen der vor der aus dem 18.jahrhundert stammenden pests\u00e4ule, der dreifaltigkeitss\u00e4ule, aufgebaut ist. weil es immer st\u00e4rker regnet, werden immer mehr schirme aufgespannt. gesegnet sei dieser ort und alle die hier wohnen, die fr\u00fcchte der erde und die werke der h\u00e4nde und des geistes. hat der pfarrer die fr\u00fcchte des geistes bei den ersten beiden alt\u00e4ren nur vergessen?\u00a0 wir beten f\u00fcr die armen und kranken und die, die schon gestorben sind. der strubbelkopf verzichtet auf ein lied . die, die mich beschirmt geht weiter an meiner seite. wir schweigen bis zum vierten altar. der ist in der kleinen, nach drei seiten ge\u00f6ffneten kapelle neben der kirche errichtet. nun regnet es in str\u00f6men.\u00a0 der pfarrer und seine helfer stehen im trockenen und aus sorge, seine sch\u00e4fchen k\u00f6nnten allzu nass werden, liest und betet der pfarrer schneller. dem schlusssegen folgen keine drei strophen gro\u00dfer gott wir loben dich, wie es sonst der brauch ist. untersch\u00e4tzt der pfarrer seine gl\u00e4ubigen nicht? in dieser gegend ist der regen doch allt\u00e4glich. diese gegend ist ber\u00fchmt f\u00fcr seine ausdauernden regenf\u00e4lle. alles w\u00e4chst und gedeiht und die landschaft ist so gr\u00fcn, wie sonst kaum \u00a0wo. danke, sag ich zu meiner schirmherrin und auf wiedersehen. dann fl\u00fcchten wir in die kirche und warten, dass es zu regnen aufh\u00f6rt. gro\u00dfer gott wir loben dich, herr, wir preisen deine werke summen wir und z\u00fcnden \u00a0kerzen an. mehr licht brauchen wir, hat sie gesagt. bitte. zwei kerzen und mehr licht f\u00fcr kurze zeit. beim hinausgehen seh ich, wie der strubbelkopf und der junge himmelstr\u00e4ger gemeinsam zum auto gehen. aha, deshalb, denk ich.\u00a0 aha. deshalb. gesegnet sei dieser ort und alle, die hier wohnen, die fr\u00fcchte der erde und die werke der lenden.<\/p>\n<p class=\"Stil20\" align=\"left\">\n<p class=\"Stil20\" align=\"left\">\n<p class=\"Stil20\" align=\"left\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gretaschneider.at\/images\/gif-dunkelste.gif\" width=\"1\" height=\"25\" \/><\/td>\n<td>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>\n<div align=\"right\"><\/div>\n<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>\n<div class=\"Stil1\" align=\"center\">\n<div align=\"left\"><\/div>\n<\/div>\n<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>fronleichnam gesegnet sei der ort und alle, die hier wohnen, die fr\u00fcchte der erde und die werke der h\u00e4nde. im namen des vaters, des sohnes und des heiligen geistes. amen. der pfarrer bewegt die monstranz bei im namen des vaters himmelw\u00e4rts, im namen des sohnes zur erde hin, und bei im namen des heiligen geistes [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":175,"menu_order":7,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-191","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gretaschneider.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gretaschneider.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/gretaschneider.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gretaschneider.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gretaschneider.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=191"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gretaschneider.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/191\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":192,"href":"https:\/\/gretaschneider.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/191\/revisions\/192"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gretaschneider.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/175"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gretaschneider.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}